Liebe ohne Worte?
Shownotes
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00:00:06: In dieser Folge geht es mir um die Vorstellung, dass wahre Liebe bedeutet sich ohne Worte zu verstehen.
00:00:14: Und um die gefährliche Annahme wer mich liebt weiß intuitiv was ich will und wenn er oder sie ist nicht weiß dann liebt er oder Sie mich nicht!
00:00:26: Mit dieser Folge erfülle Ich einen Themenwunsch von einer meiner Hörerinnen.
00:00:40: meinen Kindern habe ich immer wieder versucht zu erklären, dass gesunde Beziehungen bedeuten, das jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist.
00:00:50: Und zwar dahingehend, dass jeder offen seine Bedürfnisse und Wünsche äußert – damit mein Gegenüber weiß was ich will!
00:01:00: Ich vertraue darauf, dass wer mich liebt schaut ob und wie er oder sie meine Wünsch erfüllen
00:01:06: kann.".
00:01:07: Auf keinen Fall aber sollte eine Beziehung durch magisches Denken funktionieren.
00:01:13: Wenn sie mich liebt, wird sie spüren was ich will!
00:01:18: Ich frage mich oft woher kommt eigentlich diese Idee?
00:01:21: das Liebe bedeutet den anderen zu verstehen ohne dass er oder sie sprechen muss?
00:01:28: Als ob Liebe einer Art Telepartie wäre.
00:01:32: als ob die Tiefe einer Beziehung daran gemessen werden könnte, wie gut wir die ungesagten Wünsche des anderen erraten können.
00:01:42: Und ich fand die Umsetzung dieser Erwartungshaltung in Medien und Büchern, in Filmen, in Liedern – und überall wird uns vermittelt, dass wahre Liebe instinktiv funktioniert, das der richtige Mensch uns ohne Worte versteht!
00:01:57: dass wir, wenn wir nur richtig lieben die Bedürfnisse des anderen spüren können als wären sie unsere eigenen.
00:02:06: Aber was?
00:02:07: Wenn das gar nicht stimmt!
00:02:10: Was, wenn diese Vorstellung von Liebe nicht nur unrealistisch sondern sogar schädlich ist?
00:02:19: und die Suche nach den Wurzeln dieses magischen Denkens über Liebe führte mich mal wieder zurück in die
00:02:25: Kindheit.".
00:02:27: Als Säuglinge sind wir darauf angewiesen, dass unsere Eltern unsere Bedürfnisse von den Augen ablesen.
00:02:35: Das ist überlebenswichtig!
00:02:37: Es ist deshalb überlebends wichtig weil wir als Baby nicht in der Lage sind zu sagen ob uns Hunger Bauchschmerzen Langweile oder Überreizung plagen.
00:02:48: In dieser Phase ist es also richtig und notwendig das die Bezugspersonen unsere Wünsche intuitiv erfüllen Und wir Menschen sind auch dafür genau ausgestattet.
00:03:00: Wir können lernen, dass Schreien unserer Babys differenziert zu hören – aber und das ist entscheidend!
00:03:07: Wenn unsere Kinder größer werden… dann ändert sich das.
00:03:12: Irgendwann ist es nicht mehr die Aufgabe der Eltern, die Wünsche der Kinder zu erraten?
00:03:18: Sondern es ist die Aufgabe des Eltern dem Kind beizubringen, seine Wünche selbst zu äußern … und ihm zu zeigen Deine Bedürfnisse sind wichtig und du darfst sie aussprechen.
00:03:32: Denn was passiert, wenn das nicht geschieht?
00:03:35: Wenn ein Kind nie lernt seine Wünsche klar zu kommunizieren dann wächst es mit der unbewussten Erwartung auf dass andere seine bedürfnisse automatisch erkennen sollten Und das trägt es mit in seine späteren Beziehungen ob als Freund Partner oder Elternteil.
00:03:56: Wenn wir also glauben, dass Liebe bedeutet das der andere schon weiß was wir brauchen ohne dass wir es ausdrücken müssen.
00:04:04: Weil wir es als Kinder so erlebt haben weil wir's in den Medien so gesehen haben oder weil wir es einfach nie anders kennengelernt haben dann machen wir einen fatalen Fehler.
00:04:17: Wir unterstellen eine Kausalität zwischen Wunscherkennung und Liebe Aber das Erraten oder Erkennen unserer Wünsche ist eben kein Zeichen von tiefer Liebe.
00:04:30: Allenfalls, wenn es funktioniert, ist es ein Zeichen großer Empathie-Fähigkeit des anderen – oder?
00:04:36: Ein Zeichen dafür, dass uns die andere Person gut kennt!
00:04:41: Aber wenn wir enttäuscht werden… Wenn es nicht funktioniert, weil unsere Wünsche nicht erkannt werden... Dann ist das eben kein zeichen von mangelnder Zuneigung sondern ein Zechen von mangler Kommunikation.
00:04:54: Und das führt mich zu den Fallen des magischen Denkens.
00:04:59: Wenn wir erwarten, dass unser Gegenüber unsere Gedanken liest, dann passieren mehrere Dinge und eines dieser Dinge ist am gefährlichsten – es is die eigene Entmündigung!
00:05:13: Was meine ich damit?
00:05:15: Und die andere Seite der Medaille heißt, ich übernehme die Verantwortung für das Wohlbefinden eines anderen ohne dass dieser oder diese es mir explizit anvertraut hat.
00:05:39: Beide Seiten dieser medaille sind problematisch.
00:05:43: Stell dir vor du bist traurig aber statt zu sagen Ich brauche gerade Trost erwartest du das dein Partner deine Partnerin Dein Kind automatisch spürt was los ist.
00:05:56: und was passiert hier?
00:05:58: Du machst dich selbst zum Opfer, du platzierst dich in einer Position der Ohnmacht.
00:06:04: Ich kann nichts tun bis der andere handelt!
00:06:07: Das ist als würdest du dir selbst die Erlaubnis entziehen deine Bedürfnisse zu steuern.
00:06:15: Du überforderst die anderen.
00:06:17: Dein Gegenüber wird zum Gedankenleser auf Abruf eine Rolle, die niemand ausfüllen kann und wenn er oder sie scheitert was unvermeidlich Dann fühlst du dich im Stich gelassen, nicht weil er oder sie dich nicht liebt, sondern weil du ihm oder ihr eine unmögliche Aufgabe gegeben hast.
00:06:40: Und die Beziehung wird zu einem Machtspiel.
00:06:43: Unausgesprochene Erwartungen schaffen stille Vorwürfe!
00:06:47: Du bist enttäuscht, der andere ist verwirrt oder überfordert und beide reden nicht darüber was wirklich los
00:06:55: ist.".
00:06:56: Was ist das Ergebnis?
00:06:58: Eine Dynamik in der beide unglücklich sind Du, weil du dich nicht gesehen fühlst und dein Gegenüber, weil er oder sie ständig das Gefühl hat zu versagen.
00:07:12: Und die andere Seite der Medaille?
00:07:14: Wenn ich Verantwortung ungefragt übernehme – Ich muss wissen was du brauchst!
00:07:20: Dann ist es genau so schädlich wie das Andere extrem.
00:07:24: Denn dann fühlste Dich dafür verantwortlich, Die Bedürfnisse deines Gegenübers zu erraten und zu erfüllen Noch bevor er oder sie, sie selbst äußert.
00:07:36: Damit entmündigst du die andere Person!
00:07:39: Indem du ihr die Chance nimmst ihre Wünsche selbst zu formulieren behandelst Du diese Person wie ein Kind, wie einen Säugling und das signalisiert Ich traue dir nicht zu dass du selbst weißt was du brauchst Und du erschöpfst dich selbst Denn irgendwann merkst du egal wie sehr du Dich anstrengst Es ist nie genug.
00:08:02: Der andere hat immer vielleicht noch ein anderes Bedürfnis, das du gerade nicht bedienst.
00:08:08: Oder die Person entwickelt neue Wünsche, die du wieder erraten musst!
00:08:13: Und die Beziehung wird unausgewogen.
00:08:16: Du gibst, du gibst und die andere Person nimmt – sie nimmt und nimmt.
00:08:23: Und irgendwann bist du ausgebrannt?
00:08:25: Und die anderen Personen abhängig von deiner Fürsorge.
00:08:32: eine Dynamik in der Abhängigkeit und Erschöpfung wachsen statt Partnerschaft, und Gleichberechtigung.
00:08:47: Und das Gefährliche daran ist, dass beide Formen dieser Entmündigung die Beziehungen einer Sackgasse führen.
00:08:55: Passivität ersetzt Aktivität Schweigen ersetzt Kommunikation Manipulation durch stille Erwartungen ersetzt Ehrlichkeit Und beide Seiten verlieren sich selbst.
00:09:12: Die eine Seite verliert ihre Stimme und die andere verliert Ihre Grenzen!
00:09:21: Die Lösung liegt jetzt nicht darin, gar keine Verantwortung für den anderen zu übernehmen sondern darin eine richtige Balance zu finden.
00:09:31: Was bedeutet dieses Gegenkonzept?
00:09:33: Eigenverantwortung und gesunde Fürsorge.
00:09:36: also konkret Wenn du Eigenverordnung für dich selbst übernimmst Denn erkennst du deine eigenen Bedürfnisse und äußerst sie klar, Und du erwartest nicht das andere.
00:09:51: Sie erraten Sondern dass du sie kommunizierst.
00:09:57: Damit handelst Du statt abzuwarten!
00:10:01: Und wenn du Fürsorge für Andere übernimmst Ohne Entmündigung Dann bietest du Unterstützung an Aber du entzwingst sie nicht.
00:10:11: Du hörst hin-und zu Statt zu interpretieren.
00:10:15: Du fragst statt sofort zu handeln und du respektierst, wenn andere Nein sagen oder selbst nach Lösungen suchen.
00:10:30: Das hört sich in der Theorie immer toll an aber wie kann man das jetzt trennieren?
00:10:36: Ich gebe dir mal drei konkrete Übungen die aus der Entmündigungsfalle rausführen können.
00:10:44: erste kennen wir alle Die ich Botschaft regel Statt.
00:10:50: du merkst nie Wenn ich traurig bin Was ein klarer Vorwurf ist?
00:10:55: Kannst du sagen, ich bin gerade traurig und brauche Trost.
00:11:00: Kannst Du mir zuhören?
00:11:03: Damit übernimmst du Eigenverantwortung und formulierst eine klare Bitte!
00:11:12: Fällt dir einer Sache ein wo du eine unausgesprochene Anforderung an eine Person stellst und wie könntest du diese als Ich-Botschaft formulieren?
00:11:26: Die zweite Regel Hilft gegen die Passivität.
00:11:30: Es ist die Fünf-Sekunden-Regel.
00:11:33: Wenn du merkst, dass du auf etwas wartest zum Beispiel das deine Partnerin deiner Stimmung bemerkt Dann zählst du bis fünf und dann sagst Du es!
00:11:51: Die dritte Übung ist der Grenzencheck.
00:12:39: Das Essen vorbereiten.
00:12:41: Ist das richtig?
00:12:43: Willst du das?
00:12:46: Frag die Person, was sie wirklich braucht!
00:12:49: Und wenn es ein Ich-will-es tun ist, dann darfst Du auch hier sagen – ich möchte für Dich das Abendessen vorbereiten!
00:12:58: Ist das
00:12:59: okay?!
00:13:00: Oder willst Du etwas anderes?
00:13:02: Möchtest Du vielleicht mit mir gemeinsam das Abendessens machen in Märchen, in Filmen und Büchern?
00:13:16: Magie etwas Wundervolles sein... Und da gehört es auch hin.
00:13:21: Aber wenn wir es im realen Leben erwarten, dann verliern wir etwas!
00:13:28: Wenn wir nämlich aufhören unsere Bedürfnisse zu äußern, dann hören wir irgendwann auf sie überhaupt zu erkennen.
00:13:37: Wir verlagern die Verantwortung uns selbst zu spüren – auf die andere Person und wir gewöhnen uns daran, uns selbst to ignorieren.
00:13:53: Unglücklich werden.
00:13:55: Nicht weil wir uns nicht lieben, sondern weil wir gar nicht mehr wissen wie wir uns selbst leben können und der einzige Weg zurück ist Verantwortung zu übernehmen.
00:14:09: Was kannst du also tun?
00:14:12: Erstens Beobachte dich selbst!
00:14:15: Wann erwartest Du das Dein Gegenüber Deine Gedanken liest?
00:14:20: In welchen Situationen denkst Du?
00:14:23: wenn diese Person mich liebt Dann weiß diese Person, was ich brauche.
00:14:29: Schreib es auf!
00:14:31: Versuch das Muster zu entschlüsseln.
00:14:35: Zweitens Frage dich – Was würde passieren wenn ich es einfach sage?
00:14:41: Nicht als Vorwurf nicht als Test sondern als Einladung.
00:14:46: zum Beispiel Ich brauche gerade Trost.
00:14:50: Kannst du mich in den Arm nehmen?
00:14:54: aber auch Ich brauche gerade jemanden, der mir zuhört.
00:14:57: Ich bin fürchterlich ärgerlich!
00:14:59: Ich möchte keine Lösungsvorschläge – ich möchte mich nur
00:15:02: auskotzen.".
00:15:05: Das benennen unserer Wünsche, unsere Bedürfnisse hilft den anderen uns zu helfen wie wir es brauchen und dazu braucht es keine Magie.
00:15:18: In der nächsten Folge geht es mir dann darum, wie wir unseren Kindern beibringen was wir vielleicht selbst noch nicht gelernt hatten Wie wir als Eltern beginnen, unseren Kindern die Verantwortung für ihre eigenen Wünsche zurückzugeben und ihnen dabei helfen diese zu äußern.
00:15:38: Damit sie erkennen Liebe bedeutet nicht dass der andere meine Gedanken liest.
00:15:44: Liebe bedeutet das der Andere mir zuhört wenn ich spreche.
00:15:50: Vielen Dank fürs Einschalten.
00:15:52: Bis zum nächsten Mal Tschüss.
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