Die Magie der Stille

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00:00:06: Vor einigen Folgen hatte ich dir von meiner Stimme erzählt und davon, wie ich mich von ihr entfernt gefühlt hatte – und wie ich ihr wieder näher kam.

00:00:16: In der heutigen Folge geht es um die Stille!

00:00:21: Nicht die Stlle als generelles Schweigen sondern die bewusste Stille bevor man weiter spricht oder nachdem an etwas gesagt hat.

00:00:36: Stille als Mittel der eigenen Stimme mehr Klang zu geben Stille als Mittel, den eigenen Worten mehr Betonung und dem Erzählten mehr Spannung zu geben.

00:00:55: Oft genug nutzen wir sie nicht die Stille sondern stattdessen Füllwörter!

00:01:02: In der heutigen Folge nehme ich Dich mit auf die Reise wie Ich Die Stille Als Stilmittel Wieder entdeckte Und um das genauer zu erläutern nehme ich dich zurück Zu meiner ersten Teilnahme im Firmenclub Klartexten.

00:01:18: Dort treffen wir uns nämlich regelmäßig, um zu üben, klar und souverän zu sprechen – und Feedback zu geben!

00:01:27: Und bei jedem dieser Treffen gibt es etliche Aufgaben die immer wieder reihum von allen Teilnehmern wahrgenommen werden.

00:01:36: Und eine der wichtigsten und herausforderndsten ist das Amt des Füllwortzählers oder der Füllwurzählerin.

00:01:47: Die Person, welches dieses Amt beim Treffen ausfüllt, notiert jedes Füllwort das von einem Sprecher verwendet wird.

00:01:56: Und die ersten drei Füllwörter werden auch hörbar gemacht und zwar jedes Mal wenn ein ähm also oder ja genau als Füll Wort genutzt wird klingelt eine Klocke Als ich zum ersten Mal am Firmenclub teilnahm, war das die Aufgabe, die ich mir am schwersten vorstellen konnte und die einen unangenehmen Effekt auf mich hatte.

00:02:23: Denn die Klocke zu hören war irritierend!

00:02:27: Zu wissen dass die Klocke erklingen würde hat mich schon sehr nervös gemacht – und als sie dann erklangen während ich sprach, war es echt irritiernd… Und für mich besonders ärgerlich.

00:02:39: Natürlich weiß ich, daß sich auch Füllworter benutze... Und trotzdem, als ich sie das erste oder zweite Mal bei mir klingeln hörte, dachte ich nur – ah!

00:02:48: Shit.

00:02:49: Ich fand es echt peinlich, weil ich seit zwanzig Jahren mit der Stimme und in der Kommunikation arbeite, und dennoch nutze ich Füllwörter.

00:02:59: Und die Glocke machte das Knaden loshörbar.

00:03:03: Die Glocche erklang zuverlässig bei den ersten drei Ä, N-, M., die ich

00:03:11: hervorbrachte.".

00:03:12: und danach machte die Person einfach nur noch Striche auf der Liste.

00:03:18: Und am Ende trug diese Person gewissenhaft vor, wer wie oft welche Füllwörter verwendet hatte.

00:03:27: Oh boy!

00:03:29: Nach diesem ersten Firmenklubtermin, als ich wieder Kundengespräche führte, fehlen mir meine Füllwirter wieder auf – immer wieder treffsicher, als würde die Klocke klingeln.

00:03:43: Das war sehr ärgerlich.

00:03:46: Aber die Klang dieser Glocke tönte ebenfalls in meinen Ohren, wenn ich anderen zuhörte und es hat mich angeregt, mich bewusster damit auseinanderzusetzen warum wir eigentlich gedankliche Pausen mit einem Füllwort überbrücken Und natürlich steht sofort die Frage im Raum Was machen wir stattdessen?

00:04:11: Oder was können wir statt dessen machen?

00:04:24: Was sind Füllwörter eigentlich?

00:04:26: Füllwerter sind Gedankengrücken.

00:04:29: Sie sind diese kleinen sprachlichen Lückenbüßer, die wir einsetzen wenn unser Mund schon spricht aber unser Kopf noch denkt.

00:04:39: Also halt quasi eigentlich ja genau sozusagen.

00:04:50: irgendwie kennst du sie weißt du welche Du oft verwendest.

00:04:59: Oft haben diese kleinen Wörter eine ganz klare Funktion.

00:05:03: Sie sind Brücken, sie sagen dem Gesprächspartner – Ich bin noch da!

00:05:07: ich rede noch.

00:05:08: bitte unterbrich mich nicht.

00:05:10: Sie füllen die Stille bevor ein Gedanke fertig ist.

00:05:14: In diesen Momenten füllten sie die Stlle damit der andere weiß wir sind noch nicht fertig mit unserem Redeanteil.

00:05:23: Ist ihr das schon mal bei anderen aufgefallen?

00:05:26: Fällt es dir bei dir selbst auf?

00:05:30: Den meisten Momenten ist das eher harmlos, unkritisch.

00:05:35: Ich erinnere mich an einen Vortragenden in der Uni als ich studiert habe.

00:05:39: dessen Gedankengrücke war eben da.

00:05:44: Es fügte sich eben da In seine Sätze ein im da wie Perlen eben da auf einer Schnur eben da Mit der Zeit machte dass das Zuhören richtig schwer Denn es unterbrach den Sprachfluss, die Satzstellung und lenkte von der eigentlichen Aussage ab.

00:06:07: Und ab dem Moment wird das kritisch.

00:06:11: Ebenfalls wird es kritisch wenn deine Füllwörter deiner Aussage entwerten.

00:06:17: Stell dir vor jemand sagt zu dir.

00:06:19: ich finde wir sollten das Projekt eigentlich irgendwie nochmal halt quasi überdenken.

00:06:29: was hörst du?

00:06:31: Hörst Du jemanden der sich selbst sicher ist oder jemanden, der seinen eigenen Worten misstraut.

00:06:38: Nicht weil der Inhalt falsch wäre, sondern weil die Verpackung Zweifel säht – noch bevor der Satz zu Ende ist!

00:06:47: Füllwörter verändern die Art wie unsere Information beim Gegenüber ankommt.

00:06:54: Es verändert wie kompetent wir wirken.

00:06:58: Lass uns mal auf die Psychologie dahinter schauen.

00:07:01: Warum nutzen wir füllworter und was können wir dagegen tun?

00:07:09: Füllwörter sind keine schlechten Gewohnheiten.

00:07:12: Es sind Symptome und bei Symptom lohnt es sich immer genauer zu betrachten, denn vielleicht können wir die Ursache abstellen!

00:07:22: Einer der Gründe ist, wir haben Angst vor der Stille.

00:07:26: Stille fühlt sich gefährlich an.

00:07:31: Viele von uns sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass Schweigen in Gesprächen etwas Schlechtes bedeutet.

00:07:37: Dass es Desinteresse signalisiert oder Unsicherheit oder ganz schlimm die Einladung ist für andere das Wort zu übernehmen weil wir uns nicht mehr richtig zuhören und mitbekommen ob der Andere noch am Sprechen isst und nur eine Pause macht oder ob er wirklich zum Ende gekommen ist.

00:08:00: Also füllen wir.

00:08:01: Wir stopfen die Lücke, bevor jemand anderes sie fülle kann oder wir setzen Füllwörter als Demutsgäste ein.

00:08:12: Worte wie eigentlich vielleicht?

00:08:15: Oder irgendwie haben oft eine soziale Funktion.

00:08:19: Sie sagen ich will nicht zu viel Raum einnehmen.

00:08:22: Ich will niemanden überrumpeln.

00:08:25: Ich bin mir nicht sicher ob ich das sagen darf.

00:08:30: Auf der Beziehungsebene, und da zitiere ich dann einfach mal wieder das für Ohrenmodell von Friedemann Schulz von Thun können solche Füllwörter dann Wärme-und Bescheidenheit signalisieren.

00:08:42: Aber auf der Sachebene?

00:08:44: Da schwächen sie die Aussagen – und zwar massiv!

00:08:49: Ich glaube es könnte möglicherweise unter Umständen eine gute Idee sein.

00:08:57: Glaubst du das

00:08:58: wirklich?!

00:08:59: Weißt Du ist unter Umstanden?

00:09:01: unter welchen umständen?

00:09:03: In diesem Fall sind Füllwörter eigene Fallstrecke.

00:09:09: Und was für Gedankenkrücken gibt es so?

00:09:12: und was verraten Sie dann darüber über den Sprecher?

00:09:15: Hier sind einmal die häufigsten Füllwirter, und was sie darüber aussagen wenn wir sie benutzen.

00:09:22: Denn ich finde es echt faszinierend wie viel Sprache über uns erzählt ohne dass wir es wollen!

00:09:29: Und wie immer gilt nur wenn wir es uns bewusst machen können wir auch die Macht darüber zurückgewinnen.

00:09:42: Das sind klassische Denkpausen, das Gehirn sucht oft das nächste Wort der Mund möchte schon etwas sagen.

00:09:48: also Sie sind nicht schlimm aber in Häufung signalisieren sie Unvorbereitetheit oder einfach ein sehr hohes Sprechtempo.

00:10:00: Also das ist oft sowas wie einen Resetknopf.

00:10:05: Wenn wir also sagen, fangen wir oft neu an ohne den Satz wirklich zu Ende gedacht zu haben.

00:10:11: Also ich meine quasi!

00:10:16: Quasi heißt in der Bedeutung gleichsam aber es klingt intellektueller.

00:10:22: Es klingt als würde man differenzieren.

00:10:25: Dabei sagt man meistens Ich bin mir nicht ganz sicher ob das was sich sage wirklich stimmt.

00:10:31: Quasi dient also gleichsam einem verbalen Sicherheitsnetz Eigentlich Das Wort das am meisten bedeutet ohne dass es jemand merkt.

00:10:46: Eigentlich wollte ich, bedeutet Ich hab's nicht getan.

00:10:52: Eigendlich bin ich der Meinung, bedeutet Aber ich trau mich nicht das zu sagen.

00:10:59: Wenn du eigentlich in einen Satz einfügst dann solltest du dich fragen was willst Du wirklich sagen?

00:11:06: Was ist denn uneigentlich deine Meinung?

00:11:10: und wenn du wirklich sagen möchtest was du gesagt hast Dann lasst das eigentlich weg.

00:11:16: Denn das Eigentlich ist wie eine kleine Hintertür im Satz, durch die man flüchten kann wenn es zu direkt wird.

00:11:25: Eigentlich habe ich das nicht so gemeint und in der gleiche Kategorie fällt auch irgendwie!

00:11:34: Das ist eine bewusste Unschärfe – das war irgendwie komisch.

00:11:40: Irgendwie ist oft ein Zeichen dafür dass wir das Gefühl noch nicht in Worte fassen können oder wollen.

00:11:47: Es lohnt sich kurz zu überlegen, was wir wirklich sagen wollen.

00:11:57: Genau!

00:11:58: Ja, das ist oft interessant weil es Zustimmung vorteuscht – wo keine ist.

00:12:05: Ganz oft sagen wir genau um das Gespräch am Laufen zu halten oder weil wir uns gedanklich dem eigenen Satz folgen und zustimmen was wir sagen wollten.

00:12:17: Als hätten wir sie vorher gar nicht so gemeint.

00:12:25: Genau!

00:12:33: Ich komme zurück zu Klartexten und zur Klocke.

00:12:38: Als Sie das erste Mal klingelte, bin ich wirklich zusammengezuckt.

00:12:42: Das kenn' ich von mir.

00:12:44: Diese reflexartige Reaktion miss- aufgefallen, Fehler gemacht... ...ich verkrampfte.

00:12:50: Ich wollte die Klocke nicht hören – sie deckte ja einen Markel auf….

00:12:56: …sie klang erneut.

00:12:59: Shit schon wieder.

00:13:02: Aber dann habe ich nachgedacht, was macht diese Person als Füllwortsälerin eigentlich?

00:13:09: Sie beobachtet.

00:13:11: Es ist keine Bewertung – sie zählt einfach!

00:13:14: Sie zeigt mir nackte Zahlen wie ich wirklich klinge nicht wie ich glaube zu klingen und das ist ein Geschenk auch wenn es sich im ersten Moment nicht danach anfühlt.

00:13:28: wir alle haben blinde Flecken Bereiche, in denen unser Selbstbild und die Realität auseinandergehen.

00:13:34: Und meistens braucht es jemanden andern oder etwas anderes um uns den Spiegel hinzuhalten.

00:13:42: Die Glocke ist so ein Spiegl!

00:13:45: Ich beobachte mich seitdem viel bewusster – nicht mit der Strenge, um nach Fehlern zu suchen sondern eher mit Neugierde.

00:13:53: Wann kommt das ähm?

00:13:56: In welchen Situationen rutscht mir das eigentlich?

00:14:00: raus.

00:14:03: Wenn ich nervös bin, wenn ich das Thema nicht gut kenne?

00:14:07: Wenn ich nicht gut vorbereitet bin?

00:14:11: Wenn Ich glaube zu viel Raum einzunehmen und das sagt dann etwas über mich, über meine Situation und hilft mir, mich selbst besser kennenzulernen und vielleicht einer Ursache auf den Grund zu gehen!

00:14:30: Und jetzt komme ich zum Thema der Folge zurück.

00:14:33: Stille.

00:14:37: Stille ist der Schlüssel, um klarer zu klingen und besser verstanden zu werden.

00:14:46: Und wenn wir unser Füllwort nur deshalb einfügen – weil wir eine Pause überbrücken wollen!

00:14:53: Dann ist bewusst eingesetzte Stille die bessere Alternative.

00:15:00: Stille gibt uns die Möglichkeit unseren Gedanken zuerst zur Ende zu denken bevor wir ihn aussprechen.

00:15:09: Diese Pause fühlt sich für den Sprechenden viel länger an als für die Zuhörer.

00:15:20: Drei Sekunden Stille fühlen sich für jemanden, der gerade spricht an wie eine Ewigkeit!

00:15:28: Für denjenigen, der zuhört sind es maximal drei Sekunden.

00:15:34: oder kamen dir die letzten zwei Pausen zu lang vor?

00:15:38: Ich habe sie genau abgeteimt.

00:15:41: Dreisekunden Mach mal das Experiment Heute noch!

00:15:47: Irgendwo, in einem Gespräch.

00:15:50: Wenn du gefragt wirst, antworte nicht sofort.

00:15:54: Lass drei Sekunden vergehen.

00:15:57: Atme und dann sprich.

00:16:01: Das wird sich komisch anfühlen weil es ungewohnt ist.

00:16:05: Das ist normal.

00:16:07: Das is das Dehnen deiner kommunikativen Komfortzone.

00:16:14: Aber wenn Du's ausprobierst Dann kannst Du merken was passiert wenn Du´s machst wenn du wirklich wartest, bevor du sprichst.

00:16:27: Die Chancen stehen gut dass du souveräner klingst!

00:16:30: Nicht weil Du mehr weißt nicht weil Du einen besseren Wortschatz hast sondern weil jemand der sich Zeit nimmt zu antworten automatisch so wirkt als würde er die Antwort bewusst wählen.

00:16:47: Es ist doch nichts zu glauben.

00:16:49: ich habe es schon wieder geschafft mehr zu sprechen als meine eigentliche Folge lang sein soll.

00:16:55: Also vertröste ich dich für die Auflösung auf die nächste Folge.

00:17:02: Bis dann, vielen Dank fürs Einschalten!

00:17:04: Tschüss.

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