Emotionale Stolpersteine
Shownotes
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen.
00:00:06: Ich bin Berbel.
00:00:07: Und dies ist mein Podcast.
00:00:10: Kennst du das?
00:00:11: Du nimmst dir vor, gelassener zu reagieren, wenn deine Chefin dich kritisiert.
00:00:16: Oder in deiner Beziehung möchtest du nicht sofort auf Hundert Achtzig sein, wenn die Schlüssel mal wieder auf dem Tisch liegen, statt am Schlüsselbrett zu hängen.
00:00:25: Und dann BAM!
00:00:26: Du reagierst exakt so, wie du dir vorgenommen hast, nicht zu reagieren.
00:00:31: Dieses Gefühl immer wieder über das Gleiche zu stolpern, weil wir uns selber das Bein stellen.
00:00:37: Das ist nervig und ich kenne das nur zu gut.
00:00:41: Dabei sind viele unserer heutigen Stolpersteine gar keine aktuellen Probleme.
00:00:46: Vielmehr sind sie ein Echo aus der Kindheit.
00:00:50: Wir reagieren eben nicht auf das jetzt, sondern auf ein damals.
00:00:55: Mir wurde das vor vielen Jahren nicht Ich glaube, ich muss Jahrzehnte sagen, drastisch klar, als ich in einem Streit mit einem Freund von ihm gesagt bekam, ich habe das Gefühl, ich rede jetzt mit einem kleinen Kind.
00:01:09: Wie alt bist du gerade?
00:01:12: Der Freund war kein Psychologe und auch niemand, der sich mit der Psyche auseinandersetzte.
00:01:16: Aber er war eine Person, die sehr bewusst Dinge wahrnahm und analysierte.
00:01:21: Und mein Verhalten, meine Wortwahl, meine Reaktionen in dem Streit gehörten eben nicht zu der erwachsenen Person, die er kannte.
00:01:30: Boah, das war echt hart.
00:01:31: Diese Bemerkungen ließ mich lange nicht los, und sie brachte mich zum Nachdenken.
00:01:37: Und im Grunde ist es der Auftakt gewesen, warum ich mich mit mir und meinen Reaktionsmustern sehr intensiv auseinandersetzte.
00:01:46: Wie erkennen wir nun diese Muster, ohne uns in der Vergangenheit zu verlieren?
00:01:52: Darum geht es in dieser Podcastfolge.
00:02:04: Für diese Folge inspiriert hat mich das Gespräch mit Max und ich dachte es ist ganz wichtig zu sagen, wir können viele Sachen aus unserer Kindheit, wenn wir sie für uns erklärt haben, beiseite legen und dann einfach akzeptieren, dass es so ist und für uns Handlungsmöglichkeiten erschließen.
00:02:23: Schlecht ist es, wenn wir anfangen uns im Kreisel zu drehen.
00:02:27: und gar nicht mehr nach vorne gucken können, sondern immer nur zurück.
00:02:31: Und dann dachte ich mir, das ist eine Podcastfolge wert.
00:02:42: Lass uns mal auf die Spurensuche nach der Grundsteinlegung für Stolpersteine gehen.
00:02:48: Denke mal an deine Stolpersteine hier und jetzt.
00:02:53: Ein Stolperstein ist meistens eine emotionale Überreaktion.
00:02:58: Wenn die Reaktion deutlich stärker ist als der Anlass, dann liegt er ein alter Stein im Weg.
00:03:04: Es gibt die berühmten Klassiker, die sich als Stolpersteine anbieten und im Jetzt manifestieren, aber ihre Grundsteinlegung liegt in der Vergangenheit.
00:03:14: Vielleicht findest du hier ein in einer der Beschreibungen der folgenden klassischen Stolpersteine wieder.
00:03:21: Der Perfektionismus zwang.
00:03:24: Ich führe mich schrecklich, wenn etwas nicht perfekt ist, wenn etwas nicht so ist, wie ich es geplant habe oder wie ich glaube, dass es sein sollte.
00:03:34: Oft gründet er sich in dem Gefühl, ich bin nur wertvoll, wenn ich perfekt bin.
00:03:41: Und dieser Grundstein wurde meist gelegt durch das kindliche Empfinden, dass die Liebe der Eltern nur unter bestimmten Umständen gegeben wurde, wenn ich etwas geleistet habe oder ihre Wünsche perfekt erfüllt hatte.
00:03:56: Die Konfliktscheue Ich hasse Konflikte und Auseinandersetzung und ich gehe dem am liebsten aus dem Weg.
00:04:05: Ich lenke vor schnell ein, um alles wieder gut zu machen.
00:04:09: Der Ursprung dieses Gefühls ist, dass Streit lebensgefährlich ist.
00:04:15: Oder auf jeden Fall betrohlich.
00:04:18: Und er entsteht oftmals in Familien, in denen entweder Harmonie erzwungen wird oder eine Eskalation von einem Streit extrem war.
00:04:29: Und der dritte klassische Stolperstein ist die Bindungsangst, das Klammern.
00:04:34: Ich kann nicht loslassen.
00:04:36: Alleine das Gefühl, sich verabschieden zu müssen oder den Kontakt über längere Zeit nicht zu haben, jemand nicht ständig um sich zu haben oder mit ihm in Kontakt zu stehen, löst bei mir das Gefühl der Ende der Welt aus.
00:04:53: Dieses drohende Gefühl, ich werde verlassen, manifestiert sich häufig in einer Kindheit, welche durch unzuverlässige Bezugsperson gekrägt war.
00:05:03: Ich konnte mich nicht darauf verlassen, als Kind, dass jemand da war.
00:05:09: Das sind nur drei Klassiker.
00:05:11: Wir alle haben unsere persönlichen Stolpersteine, über die wir immer wieder einmal stolpern, und es hilft, sich damit auseinanderzusetzen, wann deren Grundsteine gelegt wurden.
00:05:23: Dann können wir sie manchmal abmildern oder entfernen.
00:05:28: Wenn du mal wieder über einen deiner Stolpersteiner stolperst und spürst oder gesagt bekommst, dass deine Reaktion nicht im Verhältnis zu der Situation steht, dann wende die drei Sekunden Pause an.
00:05:42: In dem Moment, wo dir der Stolperstein bewusst wird, halte kurz inne und dann frage dich, wie alt fühle ich mich gerade in diesem Moment?
00:05:53: Manchmal hilft es, die Augen zu schließen und sich körperlich durchzuscannen.
00:05:58: und vielleicht findest du heraus, dass du dich gerade dreizehn und nicht fünfzig füllst oder gar fünf und nicht fünfunddreißig.
00:06:09: Hast du es geschafft, in diesen Sekunden zu fühlen, was dich getriggert hat?
00:06:14: Dann bist du bereits auf dem besten Weg, diesen Stolperstein abzuschleifen.
00:06:20: Ich kann allerdings aus meiner eigenen Erfahrung berichten, dass ich es nicht geschafft habe, alle Stolpersteine auszukraben und den Weg zu ebnen.
00:06:30: Aber es wird leichter, sich zu beruhigen, die Reaktion wird nicht mehr so heftig und es geschlingt mir schneller, angemessen zu reagieren oder gegenzusteuern.
00:06:50: Aber Vorsicht!
00:06:52: In der Suche nach den Auslösern in der Kindheit kann man sich ganz leicht verlieren.
00:06:58: Es gibt ein Dilemma zwischen der Reflexion versus dem Überpsychologie.
00:07:05: Was hilft dir also in der Suche?
00:07:09: Wenn sich Muster schmerzhaft wiederholen, also wie immer wieder auf den gleichen Typen reinfallen, immer wieder die gleiche Reaktion über Reaktion auf eine Aktion zeigen oder immer wieder der gleiche Stress entsteht, dann lohnt es sich, auf die Suche nach dem Stolperstein zu gehen.
00:07:29: Die Suche nach Stolpersteinen hilft auch, wenn man verstehen will, warum man sich selbst so oft im Weg steht.
00:07:35: Und das Ziel dieser Suche ist immer die Erkenntnis, die einen zur Handlungsfreiheit bringt.
00:07:43: Ah, das ist jetzt mein inneres Kind, das gerade schreit.
00:07:47: Als Erwachsener kann ich jetzt die Situation übernehmen.
00:07:51: Es gibt aber auch eine Suche, die fruchtlos ist.
00:07:53: Das ist die dunkle Seite der Analyse.
00:07:57: Wenn ich die Kindheit zur Dauer ausrede mache, zum Beispiel ich kann eben nicht anders, meine Mutter war halt so, dann raubt mir das die Macht über mein eigenes Handeln.
00:08:09: Dann gerate ich in die Opferfalle.
00:08:13: Oder aber ich wühle nur noch im Gestern und ich vergesse zu leben, im Heute, im Jetzt.
00:08:21: Wenn ich darin gefangen bin, dann beginnt die Analyseparalyse.
00:08:28: Wenn du dich dabei ertappst, dass du versuchst, jedes kleinste Gefühl zu analysieren und aufzulösen, dann befindest du dich in einem Muster der Verschlimmbesserung.
00:08:40: Manche Steine kann man getrost liegen lassen.
00:08:44: Oder man kann einfach einen Weg drum herumfinden.
00:08:56: Die goldene Regel für eine Spurensuche nach Stolperstein und ihrer Grundsteinlegung sollte sein nutze die Vergangenheit als Erklärung, um dich handlungsfähiger zu machen, aber nutze sie niemals als Entschuldigung für den Stillstand.
00:09:15: In einer Situation, in der ich mich mal als kleines Kind ertappt habe, konnte ich die kleine Bärbel in den Arm nehmen und sagen, pass auf, das ist nicht dein Problem.
00:09:26: Ich als Erwachsene kümmere mich darum.
00:09:30: Und das Spannende war, dass ich danach ganz anders reagieren konnte, Mir standen alle Möglichkeiten des Erwachsenen ichs zur Verfügung.
00:09:39: Und nicht nur die kleine begrenzte Möglichkeit der kleinen dreijährigen Berbel.
00:09:45: Kleine Hausaufgabe für dich?
00:09:47: Suche dir in den nächsten Wochen einen Moment, in dem du emotional stolperst, also in dem du überreagierst.
00:09:56: Schau dir den Moment an, atme durch und entscheide dich bewusst für eine erwachsene Reaktion.
00:10:10: Vielen Dank, dass du mir zugehört hast.
00:10:12: Und ich gebe dir noch einen Spruch mit.
00:10:15: Reflexion ist wie das Hände waschen.
00:10:19: Es ist gut, für die Hygiene der Seele ab und zu zu waschen.
00:10:24: Aber wir sollten nicht den Tag damit verbringen, die Hände unter Seife und Wasser abzuspülen.
00:10:31: In diesem Sinne viel Spaß und bis zur nächsten Folge.
00:10:34: Tschüss!
00:10:53: Das...
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