Vorlesen - Talk mit Tochter
Shownotes
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00:00:01: Hallo und herzlich willkommen.
00:00:06: Ich bin Berbel und dies ist mein Podcast.
00:00:10: In dieser Folge ist meine Tochter mit einem Themenwunsch dabei.
00:00:14: Wir unterhalten uns über das Vorlesen und welche Hintergründe und Effekte das Vorleseratoral in unserer Familie hatte und noch hat.
00:00:31: Hallo Lara, herzlich willkommen zurück im Studio.
00:00:34: Wir haben uns ja über einiges unterhalten zur Entstehung des Podcasts und auch darüber, wie lustig es sich für dich anhört, dass ich oftmals deutlich langsamer als du in dem Podcast spreche.
00:00:46: Aber du hattest auch gesagt, dass dir noch ein Thema eingefallen ist, was du ansprechen möchtest.
00:00:52: Also hier ist das Mikrofon, leg los!
00:00:56: Ja, ich bin gerade in den Gedanken irgendwie abgeschweift und bin dann zu unserem Gespräch gekommen, dass wir letztens hatten wo wir nochmal darüber nachgedacht hatten, dass wir damals Buchbücher vorlesen in der Familie gemacht haben.
00:01:11: Und mir fällt immer wieder auf, dass viele Leute auch jetzt in meinem Studiengang, also so zwanzigjährige, ein Problem in dem Sinne haben, laut, deutlich vorzulesen.
00:01:23: Ich glaube, ich bin darauf gekommen, weil wir gerade auch darüber geredet haben, wie unterschiedlich ich und Mama diesen Podcast in Geschwindigkeit mäßig.
00:01:33: reden und vor allem beim Vorlesen von Texten ist es natürlich wichtig, dass man eine laute Stimme benutzt und deutlich redet und vor allem Vorlesen ist in dem Sinn eine Kunst, als dass, wenn man es nicht geübt hat, das schwierig ist, zu lesen und gleichzeitig das vorzulesen, wenn es Sinn ergibt.
00:01:53: Und deswegen bin ich da gerade drauf gekommen, ob ihr das damals auch wusste, dass das quasi geübt werden, also dass das sinnvoll ist, das zu üben, beziehungsweise ich erinnere mich, dass, ähm, also Papa hatte früher uns das vorgelesen, als wir Kinder waren, hatten wir angefangen, ähm, dass wir so ein Abendritual zu haben, weil damals waren wir auch noch zu klein, um äh, Filme oder Serien zu gucken und Social Media gab's damals nicht, dass wir hatten kein Handy, deswegen, ja, das ist die guten alten Zeit noch, wo man das, äh, Druckmedium benutzt hat.
00:02:26: Und wir hatten auch noch darüber geredet, dass bei diesem Vorlesen bei mir zumindest so war, dass ich mir das alles sehr bildlich vorgestellt habe.
00:02:35: Und ich habe dann manchmal auch das Gefühl gehabt, wir hätten ein Film geguckt und dann war es so, nee, wir haben nur das Buch gelesen.
00:02:41: Aber ich habe halt durch diese Beschreibungen das mir so bildlich vorgestellt, als hätte ich ein Film geguckt.
00:02:48: Und ich habe letztens auch noch mal wieder in den Medien gehört, dass das eine verlorene Kunst ist mit jüngeren Generationen.
00:02:57: diese Fantasie quasi verloren geht, sich bildlich Worte vorzustellen.
00:03:02: Und ja, da wollte ich mal fragen, was sind deine Gedanken dazu?
00:03:08: Ich bin mir nicht sicher, Papa und ich jemals darüber wirklich bewusst gesprochen haben, warum wir euch vorlesen.
00:03:16: Es war vielmehr so, dass wir aus vielen verschiedenen Gründen das Vorlesen eingeführt haben.
00:03:24: Zum einen war es der Papa, der bei uns der große Vorleser ist, der auch wunderbar die Stimmen nachmacht, dass noch bevor ihr geboren wurde, er mir vorgelesen hat.
00:03:35: Abends habe ich dann gerne auf dem Bett oder auf dem Sofa gelegen und er hat mir zum Beispiel Herr der Ringe vorgelesen und seine Interpretation von dem sprechenden Baum, den Enns, ist einfach herrlich.
00:03:51: Von daher... War das etwas Natürliches, was wir sowieso gerne gemacht haben und von daher haben wir das quasi mit euch einfach nur weiter gemacht.
00:04:02: Wir wollten mit euch die Geschichten teilen, die uns so sehr berührten und was besser um es vorzulesen und es dann gemeinsam zu haben.
00:04:11: Und die Lucy hat dazu eine eigene Meinung.
00:04:15: Lucy, wir sind mit der Aufnahme noch nicht fertig.
00:04:20: Könnt ihr die hören?
00:04:21: Was willst du jetzt von mir?
00:04:26: Lucy möchte sagen, dass sie das immer sehr unangenehm findet, wenn wir vorlesen.
00:04:30: Also mittlerweile liest mein Mann wieder mir alleine vor, weil das immer bedeutet, dass sie nicht ihren Kopf an seinem Kinn reiben kann, denn er schickt sie dann fort, weil er das Buch lesen möchte und ihr Kopf im Weg ist.
00:04:44: So, Lucy hat sich jetzt erstmal wieder auf ihren Platz am Fenster gegeben, dann können wir in Ruhe weitermachen.
00:04:49: Also, der Grund für das Vorlesen war also zum einen, dass wir mit euch etwas geteilt haben, was wir schon vor eure Geburt sowieso gemacht haben.
00:04:57: Das andere war mit euch die Geschichten zu erleben, gemeinsam etwas zu haben, was in dieser Familie auch genau das geworden ist.
00:05:07: Also ich erinnere mich daran, dass ihr irgendwann angefangen habt, eure Geschichten mit uns zu teilen.
00:05:14: Sei es nun die Liliane Susewind oder den Simpel oder... Rico, Oscar und die Tieferschatten.
00:05:26: Das, was ihr gelesen habt, fandet ihr so spannend, dass ihr es mit uns teilen wollte.
00:05:31: Das war dann nicht mehr ein wir lesen euch vor, sondern es war ein sich gegenseitig teilen, welche Geschichten uns berührten.
00:05:40: Und genau bei diesem sich dieses gemeinschaftliche Gefühl, das entsteht, wenn man etwas teilt, Das steht für mich im Vordergrund bei dem Vorlesen.
00:05:54: Aus der Psychologie und der Pädagogik allerdings ist das mit dem Vorlesen anders als es sich bei allen anderen Möglichkeiten der Unterhaltung ergibt, etwas, das sowohl das Zuhören als auch die Vorstellungskraft übt.
00:06:14: Und es gibt sensible Fenster, Entwicklungsfenster in der Entwicklung von Kindern, die genau das bewirken.
00:06:22: Das heißt, in einer Zeit, in der das Kind vorgelesen bekommt und selber diese Bilder in seinem Kopf entstehen lässt, lernt es etwas, nämlich aus dem Gehörten oder dem Selbstgelesenen ein Bild, eine bildliche Vorstellung entstehen zu lassen.
00:06:43: Wenn es dann älter wird, kann es mit dieser Fähigkeit auch Aufträge erfüllen, später anderen Leuten zuhören und ein klares Bild, die von dem entwickeln, was derjenige ihm sagt.
00:06:58: Lernt es das nicht, weil es eben diese gemeinschaftliche Erlebnisse nicht hat.
00:07:05: Und es ist tatsächlich so, dass es nicht nur auf die Stimme aufkommt.
00:07:11: Also ich kann euch keine Podcasts abspielen lassen und hätte den gleichen Effekt.
00:07:16: Zu einem gewissen Grad vielleicht, aber dieses Gemeinschaftliche hat halt mehr.
00:07:22: Es ist ja, ihr hattet euch dann an den Papa gekuschelt, der hat vorgelesen, ihr habt ihn nicht nur gehört, sondern ihr habt seinen hat seinem Arm gestreichelt oder er hat auf der Brust gelegen und hat das Brummen gehört und gespürt.
00:07:40: Das heißt, es ist eine ganzheitliche Erfahrung.
00:07:43: Was da, glaube ich, auch mit rein spielt, ist dieses Gefühl, was die Eltern dann auch den Kind vermitteln im Sinne von ich nehm mir Zeit für dich.
00:07:51: Also einen Podcast anmachen ist ja jetzt nicht so, es wäre das das gleiche wie... ich nehme aktiv Zeit für dich, ich lese dir aktiv vor oder wenn wir euch vorgelesen haben, ihr habt dann währenddessen auch uns aktiv zugehört.
00:08:06: Also das ist so ein Respekting würde ich sagen auch und unter anderem auch um das Kind, also als Pädagoge denke ich mir halt, das macht ja auch einen Unterschied ob du dem Kind das Gefühl vermittelt, du bist es mir wert.
00:08:21: Keine Ahnung zum Beispiel auch das Handy wegzulegen heutzutage und ich schenk dir meine Aufmerksamkeit und meine Zeit.
00:08:27: Was ja eine der wichtigsten Dinge sind oder eine der ja es ist ja Zeit des Geld und das ist also sehr wertvoll.
00:08:35: Und deswegen, als du gerade gesagt hast, das ist nicht der gleiche Effekt, wie man ein Podcast anmacht.
00:08:39: Ein Podcast kann ich mir immer anhören.
00:08:41: Dann kann ich mir auch auf während ich auf dem Weg zur Schule bin oder was weiß ich mir in die Ohren tun.
00:08:46: Aber diese intime Zeit, wo es nur wir dann zusammensitzen und ja, man spürt, dass wir das alle gleichzeitig diese Aufmerksamkeit dann auf der Geschichte haben und man... Fiebert ja in dem Sinne, als alle Familienmitglieder haben, dann war dann auch ganz ruhig geworden und so.
00:09:03: Und man hat dann richtig zugehört, wie die Geschichte weiterging.
00:09:07: Das ist so eine Experience, die kann man nicht... Mit einem Podcast oder einer Aufzeichnung.
00:09:15: Das mit dem Gegenfiebern genau das empfinde ich auch.
00:09:18: Wir haben auch viel gemeinsam gelacht über die lustigen Szenen und auch das verbindet dann wieder.
00:09:23: Also ich hatte immer das Gefühl, wir erleben die Geschichte gemeinsam und das war das Spannende.
00:09:28: Man hat sich.
00:09:30: Also ich hatte nie das Gefühl, dass ich Zeit verloren habe, wenn wir das gemacht haben, sondern im Gegenteil, ich hatte immer das Gefühl, dass es uns unglaublich viel geschenkt hat.
00:09:40: Weswegen wir das auch so gerne gemacht haben und ja auch jetzt noch machen.
00:09:43: Also ich weiß, dass wir noch den goldenen Kompass offen haben bzw.
00:09:48: mittlerweile ist es, glaube ich, das magische Messer.
00:09:51: Das Bernstein-Teleskop haben wir noch offen.
00:09:54: Okay, der letzte Teil, genau.
00:09:55: Also das heißt, wir machen das ja immer noch und ich finde das total klasse, dass wir auch jetzt noch die Zeit finden, vielleicht nicht mehr so häufig, aber dass wir jetzt noch die Zeit finden, uns diese Geschichten zu teilen.
00:10:10: Aber nochmal zurück zu den Kindern und der bewussten Entscheidung.
00:10:14: Ja, das Vorlesen ist eine gemeinsame Zeit.
00:10:20: eine völlig andere Qualität hat als zum Beispiel gemeinsam Fernsehgucken.
00:10:24: Beim Fernsehgucken hast du schon fertige Bilder, die entstehen, indem sie vor dir von jemandem anderen erfunden wurden.
00:10:35: Und auch wenn sie sehr passend für das sind, was du dann als Geschichte erkennst, musst du dir selber keine Gedanken machen.
00:10:42: Und das ist so wie Fast-Food-Essen.
00:10:44: Und wir wissen mittlerweile, dass Fast-Food-Essen für den gesamten Organismus eigentlich eine Strafe ist.
00:10:52: Denn alles Hochprozessierte, was an Essen zu sich genommen wird, ist für den... Körper nicht so gedacht gewesen und der leidet auf lange Sicht hin.
00:11:03: Und das ist beim Geist genauso.
00:11:05: Wenn unser Geist nicht angestrengt wird, wenn unser Geist nicht angeregt wird, etwas selber zu machen, dann verkümmern wir.
00:11:13: Und das passiert mit Kindern, denen nicht vorgelesen wird.
00:11:16: Und das gemeinsame Zeitnehmen ist noch ein weiterer Aspekt, der auch was mit dem Verkümmern zu tun hat, weil wir sind soziale Menschen und wir brauchen diese Gefühl zu jemanden zu gehören.
00:11:31: Dieses gemeinschaftliche Ritual des Vorlesens gab euch genau dieses Gefühl.
00:11:36: Es gab euch die Möglichkeit zusammen mit uns auf Abenteuer zu gehen und zu dieser Gruppe zu gehören.
00:11:43: Und wenn man das nicht hat, fühlt man sich schnell viel leichter einsam.
00:11:49: Ja, also was ich vor allem auch so schön finde, wir haben euch natürlich andere Bücher vorgelesen als ihr uns.
00:11:56: Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es so, also ich könnte mir vorstellen, dass das so zumindest Leute, die es nicht gewohnt sind, also Eltern, die es nicht gewohnt sind, Kindern zuzuhören, vielleicht die Augen verdrehen oder halt eher das so als, das ist so eine Kindergeschichte oder was weiß ich.
00:12:12: Aber das hatte ich bei euch nie.
00:12:13: Also ich habe mich immer sehr wertgeschätzt gefühlt, dass ich vorlesen darf.
00:12:16: Also ich meine, das hat auch so ein bisschen so ein selbstbewusstes Ding, so.
00:12:20: mir wird zugehört und ihr, also alle, also mein Bruder, der größer und schon besser vorlesen kann und meine Eltern, hören mir freiwillig in dem Sinne zu und sind daran interessiert, dass ich weiter vorlese.
00:12:32: Und das ist nicht das gleiche Gefühl, wie wenn man halt in der Schule gezogen wird oder so.
00:12:38: was vorzulesen.
00:12:39: Sei es jetzt zum Beispiel, wir hatten so ein Vorleseding, wo jeder irgendwie was vorlesen sollte von seinem Buch.
00:12:45: Aber gesundheitlich.
00:12:50: Ähm,
00:12:52: genau, also das, das da in der Schule wird da so ein Druck aufgebaut und da hat eigentlich auch niemand wirklich los gehabt, gefühlt.
00:12:59: Also es war ja so ein, so ein Aufgangssing.
00:13:01: Aber wenn man das in so einer, sei es Freunden oder Familie, in so einer wirklichen Safe Space würde ich das nennen, dann war das immer sehr... sehr schön.
00:13:09: Also da fühlt man sich so aufgehoben.
00:13:11: Und genau wie du gesagt hast, wir sind dann zusammen auf Abenteuer gegangen, was auch schön war, weil dann ihr habt uns nie das Gefühl gegeben, weil wir Kinder sind, sind wir irgendwie nervig oder haben nicht die gleichen Horizont wie ihr, sondern ihr habt... ihr seid dann auf unser Niveau zwar dann manchmal gekommen, weil wir manche Dinge nicht verstanden haben oder so, aber das finde ich auch eine Sache immer sehr schön, wenn ich einen Wort nicht kenne oder einen Ausdruck nicht kenne, dann frage ich immer und da wird es mir mal erklärt, also ohne dass da jetzt ein Judgment dahinter ist oder so, so lernt man ja dazu und ich finde auch bei diesen Lesen haben wir auch sehr viel, sei es jetzt von wie Bücher geschrieben sind, also Satzstruktur und keine Ahnung, was das hilft ja auch, wenn man das mehr sich... durchliest und halt, ich würde jetzt mal sagen, sich Zeit nehmen.
00:13:58: Also ich habe mal diesen schönen Spruch von jemandem gehört, Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.
00:14:03: Und heutzutage habe ich oft mehr das Gefühl, ich habe ja gar keine Zeit, um heutzutage mir ein Buch durchzulesen, aber dann erinnere ich mich so natürlich.
00:14:11: Du musst halt nur dir die Zeit nehmen und zum Beispiel weniger auf Social Media scrollen und gucken, was irgendwelche, ich weiß nicht, YouTube-Videos oder so sich angucken.
00:14:19: Hä?
00:14:20: Ist natürlich
00:14:20: jetzt lustig für ein Podcast, aber also halt sich die Zeit zu nehmen.
00:14:24: Okay, ich nehme jetzt ganz genau aktiv Zeit dafür, ein Buch und sei es zehn Minuten zu lesen.
00:14:29: Und das vor allem abends ist das... sehr schön, um den Geist auch runterzubringen.
00:14:35: Das mit dem Abends und den Geist runterbringen, genau.
00:14:38: Also das Lesen, anders als das Gucken von Fernsehen oder das Hören von Podcasts, gibt einem die Möglichkeit, sich nochmal zu zentrieren, weil man mit den Worten etwas verbindet und gleichzeitig das Gehirn wiederum aktiviert, um sich etwas vorzustellen.
00:14:58: Man kann natürlich auch jemanden zuhören und sich etwas vorstellen.
00:15:01: Auch das aktiviert das.
00:15:04: Aber nochmal, wir waren ja die Ausgangssache mit dem gemeinsamen Lesen und was das mit uns gemacht hat.
00:15:11: Ich mochte unsere Traditionen und du hattest ja gesagt, wir haben auch eure Geschichten gehört.
00:15:18: Ich fand die Geschichten, die ihr euch entschieden habt, uns vorzulesen, die fand ich immer toll.
00:15:23: Also, gerade zum Beispiel die liane Sosewind.
00:15:27: Geschichten, die waren einfach... auf allen Ebenen, also auch für Erwachsene, etwas, wo wir mitgefiebert haben, wo wir mitgedacht haben.
00:15:38: Und ich erinnere mich an das Erlebnis, das wir dann hatten, als wir die Verfilmung von einem dieser Bücher gesehen haben.
00:15:45: Und wir waren so entsetzt, was aus der wunderschönen Geschichte von einem Mädchen, das eine besondere Gabe hat, geworden ist, als
00:15:58: Komödie,
00:15:59: die so lächerlich und überzeichnet ist, dass wir sie kaum ertragen konnten.
00:16:07: Das
00:16:07: zeigt
00:16:07: eigentlich, dass wir alle das gleiche Verständnis von der Buch- und der Geschichte hatten, obwohl wir ganz unterschiedliches Alter hatten.
00:16:18: Ich erinnere mich auch, wir haben natürlich mit euch auch Harry Potter gelesen und wir haben uns auch die Filme angeguckt und wir haben festgestellt, die Filme haben ihr eigenes Daseinberechtigung und trotzdem sind die Bücher viel intensiver und man hat sich andere Sachen vorgestellt, als sie dann von der Fantasie der Filmemacher umgesetzt wurden.
00:16:40: Oder auch bei Herr der Ringe, wo wir gesagt haben, es ist ein gigantisches Werk, sich anzugucken, aber gleichzeitig dem Film geschuldet ist die Anders erzählt, es sind bestimmte Sachen reingekommen, die im Buch gar nicht vorkommen und die das Buch gar nicht braucht, um in irgendeiner Art und Weise spannend zu sein.
00:16:59: Und das finde ich das Schöne an Büchern, Büchern erschließen eine ganz andere Welt und weil man sich selber vorstellen kann, ob etwas gruselig oder weniger gruselig ist, ist auch die, das hat meine Mutter immer gesagt, ist der Erregungsgrad, den ein Buch auslöst, deutlich angepasster an das eigene erleben als an ein Film.
00:17:23: Weil in dem Moment, wo du dir selber vorstellst, wie ein großer, schrecklicher Org aussieht, kannst du den Grad bestimmen, wie anders der aussieht.
00:17:36: Während hingegen, wenn du ihn im Film siehst, oder ein Dementor jetzt bei Harry Potter.
00:17:42: Solange du das selber dir ausdenkst, hat es nie überfordert es dich nicht.
00:17:48: Aber Bilder, die dir von Fremden aufgedrückt werden, können dich sehr gut überfordern.
00:17:52: Weswegen ich eben auch nochmal für Kinder, gerade für kleine Kinder wirklich plädiere, dass man mit den Büchern arbeitet.
00:18:00: Denn die Vorstellungskraft wird geübt.
00:18:03: Das ist wichtig für das gesamte Leben.
00:18:05: Und gleichzeitig überfordere ich das Kind nicht mit... Bildern oder Eindrücken, die es noch gar nicht bereit ist zu verarbeiten.
00:18:14: Denn beim Vorlesen macht es sich sein eigenes Monster.
00:18:18: Und das ist dann genau angemessen an das, was es spüren möchte, an Krusel.
00:18:24: Während hingegen beim Film, ich mich in die Hand des Filmemachers begebe.
00:18:29: Und was mir gerade auch noch aufgefallen ist, oder?
00:18:32: Was ich vermusche, ist, dass die Aufmerksamkeitsspanne durch das Vorlesen, also ohne Bilderbücher jetzt, sondern so wirklich nur Wortgeübt wird.
00:18:46: Ich kann mir vorstellen, dass heutzutage Kinder, die das noch gar nicht gewohnt sind, dass man still sitzt und zuhört ohne selber die Bilder.
00:18:54: Also ich kenne eigentlich nur Bilderbücher für Kinder.
00:18:59: Also ich hatte ein Praktikum Kindergarten gemacht und da gab es halt eben nur Bilderbücher für Kinder und die kannten auch schon, die ihr in und auswendig, aber die hatten trotzdem sehr viel Spaß daran, dass ich es für sie vorlese und dieses wirklich sich hinsetzen und quasi auf diese, es ist ja ein bisschen wie so eine Fantasiereise, könnte man schon fast sagen, ohne diese, also Ablenkung, sondern sich wirklich darauf zu konzentrieren.
00:19:24: Ich muss ja dann Vielleicht sogar auch die Augen schließen, um zu folgen, was die Worte bedeuten, wo wir gerade sind mit den Worten, welche Stimmung dadurch erzeugt wird und so weiter und so fort.
00:19:35: Die werden ja nicht vorprogrammiert durch diese Bilder zum Beispiel oder... durch Musik, bei jetzt einem Hörbuch, da ist ja auch das quasi auch, sondern es ist ja wirklich, du konzentrierst dich auf das Gelesene oder auf das Vorgelesene und bist dann bei dir selber komplett in deinem Kopf.
00:19:52: Und das ist eigentlich, ja, das ist auch schade, dass das heutzutage nicht mehr wirklich gefühlt gemacht wird, wahrscheinlich unter anderem, weil ja auch Kinder direkt mit Technik und Handys aufwachsen und dadurch daran gewohnt sind sehr schnell viel Content, der für sie gemacht wurde, schon zu konsumieren und selber eben zu überlegen und ja nicht direkt bombardiert zu werden mit Eindrücken.
00:20:20: Es ist irgendwie eine Sache, an die man gewöhnt werden muss, in dem man sich ja üben muss.
00:20:26: Das ist ein interessanter Punkt, den du da aufbringst mit der Steigerung der Aufmerksamkeitsspanne.
00:20:31: Denn die Studien besagen, dass wir in den letzten zwanzig Jahren einen rapiden Abfall an Konzentrationsmöglichkeiten, sowohl bei Kindern, was in der Schule sich sehr deutlich zeitigt, als auch bei Erwachsenen haben.
00:20:43: Und bislang wurde immer gesagt, ja, das liegt an dem Sozialmedienkontext, der eben immer sehr kurz ist, die TikTok-Videos oder Instagram-Beiträge oder Reels, die sind immer sehr kurz.
00:20:55: Das heißt, der Mensch ist gar nicht mehr so aufnahmefähig.
00:20:58: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass das vielleicht auch damit zu tun haben kann, dass als Kinder schon gerade der Grundstein gar nicht mehr gelegt wird, nicht im Sinne von der Vorstellungskraft, sondern vor allen Dingen auch überhaupt der Konzentrationskraft.
00:21:13: Das ist etwas ist, was man ganz bewusst üben kann.
00:21:18: Indem man trotzdem ein schönes gemeinsames Erlebnis hat, weil man ja gemeinsam Zeit verbringt, aber tatsächlich mehr Geduld mit etwas zu haben, weil es sich entwickelt und weil man voll dabei ist.
00:21:29: Und bei uns war es ja so, wir haben das abends gemacht.
00:21:32: Also ich denke gerade so, normalerweise sind Kinder sehr hibbelig gefühlt und deswegen, das wäre dann gegen deren Strich, wenn sie so mitten am Tag.
00:21:39: Hingesetzt werden und so, jetzt hörst du zu oder so was in der Art, aber zumindest bei uns war es ja, wir waren abends eher müde und wahrscheinlich schon ausgespielt und so und dann ist das kein, also waren wir auch in dem Alter, keine Ahnung, vier, sechs Jahre, waren wir trotzdem nicht gegen den Strich, sag ich mal, sich hinsetzen so und muss jetzt hier zuhören oder so, sondern wir waren generell müde, wir haben da gesessen oder gelegen und das war so wie so beim Eindösen schon fast, dass das so die letzten Züge vom Tag waren.
00:22:07: Also da ist glaube ich wie wie man das auch mit den Kindern macht.
00:22:11: Also einen Erwachsener, der kann sich auch zum Beispiel mittags hinsetzen und in die Sonne oder so und dann lesen.
00:22:17: Kinder vielleicht nicht, aber man kann es kindgerecht machen.
00:22:20: Da ist es wieder genau, was am besten passt für die Familie oder für die Kinder.
00:22:27: Und natürlich haben auch Bilderbücher ihre Berechtigung.
00:22:31: Also ich plädiere nicht dafür, dass nur noch Bücher vorgelesen werden und keine Bilderbücher mehr Kindern gezeigt werden, denn das hast du ja selber gesehen.
00:22:40: Die Kinder mögen es, diese Bilder sich anzugucken und dann zu hören, welche Worte dazu gesagt werden.
00:22:47: Und das hat schon was, was ritualmäßig ist, dass es auch immer dieselben Worte sind, die manchmal sagen dann auch Kinder, nein, aber das muss so und so betont werden.
00:22:59: Sie erwarten das dann, das ist schon etwas besonderes.
00:23:03: und natürlich hat das auch seine Vorteile und es kann auch das Interesse am selber lesen steigern, weil die Kinder natürlich neugierig macht, warum da immer dasselbe steht.
00:23:15: Denn sie machen das ja dann, sie kriegen ja mit, dass da Worte stehen, also... eine Schrift und irgendwann kriegen Sie mit, dass man das selber lernen kann zu lesen.
00:23:25: Und wenn Sie diese Leseerfahrung mit etwas Gutes verbinden, dann kann es sein, dass Sie selber daran Interesse bekommen, dass nicht nur das immer Bekannte vorgelesen wird, sondern Sie sich etwas Neues erschließen können, eben über die Worte, die dort stehen.
00:23:42: Aber Vorlesen hat halt eben noch diese andere Wirkung des der Vorstellungskraft, die sich entwickelt.
00:23:52: Wie du es schon gesagt hast, es ist eine Supermöglichkeit, den Tag zu verabschieden, in die Ruhe zu kommen und dann im Zweifelsfall auch kein Problem mit dem Schlafengehen zu haben.
00:24:04: Die Geschichten, die Stimme, die Ruhe, die nehmen die Kinder gerne mit in den Schlaf.
00:24:10: Und von daher ist das also ein perfektes Ritual, um den Tag ausklingen zu lassen, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen.
00:24:18: und zum Schlafen vorzubereiten.
00:24:23: Lara, vielen, vielen Dank für deinen Wunsch hier über das Vorlesen zu sprechen und dass du die Zeit genommen hast, dass wir wieder mal so ein bisschen vor dem Mikrofon miteinander sprechen.
00:24:35: Vielen Dank, Lucy, dass du zwischendurch mal Ruhe gegeben hast und wir die Aufnahme fertig machen konnten.
00:24:47: Wir sind am Ende unserer Podcastfolge angekommen.
00:24:50: Ich danke dir fürs Zuhören und ich hoffe, dass du wieder einschaltest, wenn es wieder heißt.
00:25:01: Ach ja, zum Thema Vorlesen und das können andere besser.
00:25:05: Es gibt Grundschulen, die suchen Vorleseparten.
00:25:09: Nicht selber zum Vorlesen, sondern um den Kindern zuzuhören, die gerade lesen lernen.
00:25:14: Das kann anstrengend sein, aber für die Kinder ist es toll, jemanden zu haben, der sich Zeit nimmt, um ihnen zuzuhören, damit sie darin besser werden.
00:25:25: Fakt doch mal in den Schulen nach.
00:25:27: Vielleicht kannst du anderen helfen, besser zu werden.
00:25:32: Aber jetzt erstmal
00:25:33: Tschüss
00:25:34: und bis bald!
Noname
‧Allais
‧